Schnell und treffsicher: tool-gestützte fundamentale Analyse mit AnaGhuba

In wenigen Minuten: Die fundamentale Analyse der wichtigsten Kennzahlen

Basierend auf der Analyse einiger wichtiger Fundamentalkennzahlen kannst Du mit Hilfe von AnaGhuba entscheiden, ob ein Unternehmen potentiell für ein Investment in Frage kommt.  Innerhalb weniger Minuten weißt Du damit, ob es sich lohnt, mehr Zeit in die Finanzanalyse zu investieren. Anhand eines Beispiels – der Aktie von ZAPF Creation AG – veranschauliche ich die Vorgehensweise.

Einschätzen der finanziellen Situation eines Unternehmens

Zuerst möchten wir verstehen, ob ein Unternehmen eine stabile finanzielle Situation aufweist. Immerhin sollte das Investment in ein Unternehmen (eine Aktie) vor allem auch Sicherheit bieten. Unternehmen, die finanziell gefestigt sind sollten immerhin Erschütterungen durch externe Faktoren (Konjunktur-Zyklus, Produktions-Probleme, Liefer-Probleme, neue gesetzliche Vorgaben …) unbeschadet überstehen können.

Netto-Finanzverbindlichkeiten

Im ersten Schritt denkt man dann oft an die Verschuldung. Aber was heißt das denn genau und wie kann man die Verschuldung analysieren? Dazu schauen wir uns die Netto-Finanzverbindlichkeiten an. Diese Kennzahl gibt an, wie hoch die finanziellen Verbindlichkeiten eines Unternehmens sind wenn man die Zahlungsmittel (Cash) abzieht. Es werden also die Netto-Schulden dargestellt. Schulden werden dabei positiv dargestellt. Somit stellen positive Werte die Netto-Schulden dar. Negative Werte zeigen an, dass die Zahlungsmittel die finanziellen Schulden übersteigen, also ein Netto-Guthaben – eine komfortable Situation!

Schauen wir uns das am Beispiel der Zapf Creation AG an:

Finanzanalyse: Netto-Finanzverbindlichkeiten der Zapf Creation (Quelle: AnaGhuba.de)

Netto-Finanzverbindlichkeiten der Zapf Creation von 2006 bis 2016 – negative Zahlen stellen Netto-Guthaben dar (Quelle: AnaGhuba.de)

Zur Interpretation: Die Netto-Finanzverbindlichkeiten sind hier in den letzten beiden Jahren negativ. Somit übersteigen die Zahlungsmittel die finanziellen Schulden. Dies stellt eine komfortable Situation dar und ist positiv zu werten. Theoretisch könnte das Unternehmen seine Schulden also allein aus den Zahlungsmitteln komplett zurück zahlen. Somit es de facto (finanz-) schuldenfrei. Beachte dabei, dass nicht finanzielle bzw. nicht bilanzierte Schulden nicht berücksichtigt werden. So tauchen beispielsweise Verpflichtungen vom operating-leasing momentan nicht unbedingt in der Bilanz auf. Dies soll sich im IFRS – Standard allerdings in Zukunft ändern (nähere Informationen gibt es dazu z.B. in folgendem Artikel).
Die Netto-Finanzverbindlichkeiten sind ein absoluter Betrag. Um die Verschuldung wirklich einschätzen zu können, müssen sie erst ins Verhältnis zu anderen Größen des Unternehmens gesetzt werden.

Die Verschuldung eines Unternehmens analysieren

Netto-Verschuldungsgrad

Nun ist es an der Zeit, herauszufinden, ob die Verschuldung in einem vernünftigen Verhältnis zum Eigenkapital steht. Dazu verwenden wir den „Netto-Verschuldungsgrad„. Er beschreibt genau dieses Verhältnis (Netto-Verschuldung/Eigenkapital) und ist in AnaGhuba unter dem Kennzahlentyp „finanzielle Stabilität“ zu finden. Werte über 200% deuten im Allgemeinen darauf hin, dass die Netto-Verschuldung im Vergleich zum EK recht riskant ist. Der Netto-Verschuldungsgrad ist branchenabhängig. Bestimmte Branchen sind sehr kapitalintensiv. Dort wird mit hohen Verschuldungsgraden operiert (zum Beispiel Stahl-Erzeugung, Maschinenbau, Fahrzeugbau). Die Kennzahl kann somit verwendet werden, um Unternehmen einer Branche miteinander zu vergleichen.

In unserem Beispiel ergibt sich für die letzten Jahre wieder ein negativer Wert. Wie weiter oben schon erläutert ist das eine komfortable Situation, die auch viel Spielraum für die Gestaltung der Finanzierung in der Zukunft zulässt. Blickt man auf das Jahr 2006, so wird eine sehr kritische Situation deutlich. Ein Verschuldungsgrad von ca. 1.500% ist ein starkes Alarmsignal für eine Überschuldung.

Finanzanalyse:: Netto-Finanzverbindlichkeiten und Netto-Verschuldungsgrad der Zapf Creation (Quelle: AnaGhuba.de)

Netto-Finanzverbindlichkeiten und Netto-Verschuldungsgrad der Zapf Creation von 2006 bis 2016 (Quelle: AnaGhuba.de)

Eigenkapitalquote

Dies ist auch an der nächsten Kennzahl gut abzulesen – der Eigenkapitalquote (EK-Quote). Sie ist eine der klassischen Kennzahlen, mit der man in die Analyse eines Unternehmens einsteigen sollte. Die EK-Quote gibt das Verhältnis des Eigenkapitals zum Gesamtvermögen in der Bilanz an. Eine hohe EK-Quote geht mit höherer Kreditwürdigkeit, finanzieller Stabilität und somit Attraktivität für Fremd-Kapitalgeber einher. Werte unter 20% gelten gemeinhin als Warnsignal. Das Vermögen des Unternehmens besteht dann zu großen Teilen aus Fremdkapital – dies schränkt die Möglichkeiten zum Handeln des Managements stark ein. Hohe Belastungen aus Zinsen und eine niedrige Kreditwürdigkeit sind die Folge. Eine weitere Analyse sollte dann nur erfolgen, wenn man sich mit Unternehmen in kritischen Situationen beschäftigen möchte. Werte über 30% gelten als ausreichend.

Im Beispiel kannst Du wieder gut erkennen, dass Zapf Creation sich in den letzten zehn Jahren mehrmals in kritischen Situationen befunden hat.

Finanzanalyse: Netto-Verschuldungsquote und EK-Quote der Zapf Creation (Quelle: AnaGhuba.de)

Netto-Verschuldungsgrad und EK-Quote der Zapf Creation von 2006 bis 2016 (Quelle: AnaGhuba.de)

Gut kann man hier erkennen, dass Du immer mehrere Kennzahlen für die Analyse verwenden solltest. Während ein Netto-Verschuldungsgrad von ca. 110% in 2007 oder ca. 170% in 2010 für sich genommen durchaus keinen Anlass zu Sorge geben, ist die EK-Quote in beiden Jahren besorgniserregend niedrig.

Tipp: Mit dem  Symbol kannst Du Dir für jede Kennzahl in AnaGhuba eine genaue Beschreibung der Kennzahl und ihre Berechnung anschauen.

Nachdem Du die grundsätzliche finanzielle Situation eines Unternehmens kennst, geht es nun an den nächsten Schritt.

Die Analyse des Ertrages eines Unternehmens

Während die finanzielle Stabilität eine stichtagsbezogene Analyse von Werte in der Bilanz darstellt, kommen wir nun zur Essenz des „Unternehmens“ – dem Profit. In erster Linie sind Unternehmen gewinnorientierte Organisationen. Daher sollten wir uns als nächstes anschauen, wie es um die Ertragssituation des Unternehmens bestellt ist.

Analyse von Umsatz und Gewinn

Werfen wir einen Blick auf Umsatz und Gewinn. Beide Größen spiegeln den wirtschaftlichen Erfolg wieder. Natürlich interessiert uns in erster Linie der Gewinn – also der Teil des Umsatzes der letztendlich als Konzerngewinn am Ende einer Berichtsperiode (hier Geschäftsjahr) übrig bleibt. Das Management kann den Konzerngewinn (Jahresüberschuss) durch Bilanzkosmetik beeinflussen. U.a. können außerplanmäßige Abschreibungen oder der kreative Umgang mit Rückstellungen für Schwankungen nach oben oder unten sorgen. Für eine alternative Betrachtung des wirtschaftlichen Erfolgs kannst Du z.B. den „Netto-Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit“ oder den „freien Cashflow“ verwenden (siehe weiter unten). Eine zusätzliche Möglichkeit ist den Gewinn für mehrere Perioden zu betrachten und Durchschnittswerte über zwei oder mehr Jahre zu bilden.

Analyse der Gewinnmarge

Eine sehr aussagekräftige und wichtige Gruppe von Kennzahlen beschäftigt sich mit Margen die ein Unternehmen erwirtschaftet. Bezogen auf den Gewinn nach Steuern kann mit Hilfe der „Gewinnmarge“ (auch Umsatzmarge bzw. Nettomarge) die Frage beantwortet werden: Wie effizient kann das Unternehmen den erwirtschafteten Umsatz in Gewinn umsetzen. Höhere Margen sind immer besser und lassen mehr Puffer für unerwartete Ereignisse im wirtschaftlichen Verlauf. Das Unternehmen verdient für jeden umgesetzten Euro mehr Geld.

Unternehmen mit Nettomargen im niedrigen einstelligen Bereich können bei steigendem Aufwand beispielsweise für Personal, bezogene Waren und Dienstleistungen oder sonstige Störungen im Betriebsablauf schnell in die Verlustzone rutschen. Eine Gewinnmarge von 10%,  15% oder sogar noch mehr wiederum zeigt an, dass ein Geschäftsmodell sehr gut funktioniert. Apple zum Beispiel erreicht hier dauerhaft Werte von ca. 20%! Dementsprechend sind zweistellige Werte in dieser Kennzahl hervorragend und zeigen eine gute Positionierung eines Unternehmens im jeweiligen Markt an.

Finanzanalyse: Gewinnmarge der Zapf Creation mit AnaGhuba.de (Quelle: AnaGhuba.de)

Die Gewinnmarge der Zapf Creation von 2006 bis 2016 (Quelle: AnaGhuba.de)

Analyse der Eigenkapital-Rendite

Diese Kennzahl (kurz EK-Rendite) stellt die Verzinsung des Eigenkapitals dar. Sie sollte über dem marktüblichen Zinssatz liegen um die Investition von Eigenkapital in das Unternehmen zu rechtfertigen. Die EK-Rendite wird berechnet als Gewinn/Eigenkapital. Sie kann durch einen höheren Hebel (= eine geringere Eigenkapitalquote) erhöht werden – oder natürlich durch einen höheren Gewinn. Daher sollte die EK-Rendite immer zusammen mit der EK-Quote betrachtet werden. Nur bei einer angemessenen EK-Quote (siehe oben) ist eine gute EK-Rendite auch positiv zu werten.

Im Beispiel sieht man deutlich, dass die steigende EK-Quote der letzten Jahre eine sinkende EK-Rendite mit sich bringt. Werte von über 30% EK-Rendite bei einer EK-Quote von über 60% sind dennoch herausragend.

Finanzanalyse: EK-Quote und EK-Rendite der Zapf Creation (Quelle: AnaGhuba.de)

Vergleich von EK-Quote und EK-Rendite der Zapf Creation von 2006 bis 2016 (Quelle: AnaGhuba.de)

Analyse des Free Cashflow – freier Cashflow

Zum Schluss unserer kleinen Rundreise durch die basics der Analyse möchte ich kurz das Konzept des freien Cashflows vorstellen.

Exkurs – Kapitalflussrechnung

Die bisherigen Kennzahlen können aus Bilanz (EK-Quote, Netto-Verschuldungsgrad) bzw. aus der Gewinn- und Verlustrechnung (Margen) errechnet werden. Für die Berechnung des freien Cashflows benötigen wir einen weiteren Bestandteil des Konzernabschlusses: die Kapitalflussrechnung. Die Kapitalflussrechnung zeigt die Liquiditätssicht eines Unternehmens und ist weniger anfällig für Bilanzkosmetik. So werden Abschreibungen und Rückstellungen hier nicht berücksichtigt. Vielmehr wird die tatsächliche Veränderung der Zahlungsmittel eines Unternehmens hergeleitet. Somit ist die Kapitalflussrechnung gerade im Hinblick auf potentielle Verschönerungen in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung ein komplementärer Baustein, der hilft die tatsächliche Vermögenssituation eines Unternehmens besser einzuschätzen.

Die Kapitalflussrechnung wird unterteilt in

  • Zuflüsse/Abflüsse aus operativer Tätigkeit
  • Zuflüsse/Abflüsse aus Investitionstätigkeit sowie
  • Zuflüsse/Abflüsse aus Finanzierungstätigkeit

Der freie Cashflow berechnet sich dabei als Quotient aus Kapitalfluss aus operativer Tätigkeit und der Investition in Sachanlagen (als Teil der Zuflüsse/Abschlüsse aus der Investitionstätigkeit). Das Ergebnis ist der Betrag, der zur „freien“ Verfügung des Managements steht. Dieser Betrag kann z.B. für Auszahlungen von Dividenden an die Eigentümer, die Rückzahlung von Fremdkapital oder den Kauf von anderen Unternehmen verwendet werden.

Der freie Cashflow (= free cash flow) sollte positiv sein (d.h. es wird mehr Geld eingenommen, als für Investitionen ausgegeben wird) und ist eine ergänzende Information zum Gewinn/Verlust eines Unternehmens. Je höher er ausfällt, desto mehr Spielraum hat das Management in der Verwendung von tatsächlich generierten Zahlungsmitteln. Durch hohe Investitionen, die sich oft nicht gleichmäßig auf die Jahre verteilen, kann der freie Cashflow in einzelnen Jahren negativ ausfallen. Wichtig ist hier die Trendbetrachtung über mehrere Jahre. Ein dauerhaft negativer freier Cashflow zeigt an, dass ein Unternehmen von der Substanz lebt und nicht in der Lage ist, die notwendigen Investitionen operativ zu verdienen. Durch Bilanzkosmetik kann u.U. dennoch für diese Perioden ein Gewinn ausgewiesen werden.

In unserem Beispiel können wir sehen, dass freier Cashflow und Gewinn teilweise unterschiedlich verlaufen. In den letzten Jahren zeigen aber beide Kennzahlen eine steigende Tendenz und fügen sich zusammen zu einem positiven Bild.

Finanzanalyse: free Cashflow und Gewinn der Zapf Creation mit AnaGhuba.de (Quelle: AnaGhuba.de)

Freier Cashflow und Gewinnmarge der Zapf Creation von 2006 bis 2016 (Quelle: AnaGhuba.de)

Mit dieser Darstellung schließe ich den kurzen Überblick über die ersten Schritte zur Unternehmensanalyse. Bezüglich der Höhe der einzelnen Kennzahlen und ihrer Gewichtung muss Du Dir selbst im Laufe der Zeit ein eigenes System erarbeiten.

AnaGhuba unterstützt dich bei der Analyse mit derzeit bereits über 30 verschiedenen Kennzahlen.

Die Finanzanalyse der Basiskennzahlen kurz zusammen gefasst

  • Verwende die Netto-Finanzverbindlichkeiten für die erste Einschätzung der tatsächlichen finanziellen Verbindlichkeiten eines Unternehmens
  • Verwende weitere Kennzahlen um die Verbindlichkeiten ins Verhältnis zu unternehmensspezifischen Werten zu setzen (wie zum Beispiel dem Eigenkapital)
  • Verwende mehrere Kennzahlen in Kombination, um die Situation aussagekräftig beurteilen zu können (EK-Quote zusammen mit EK-Rendite)
  • Nutze die Analyse der Margen – sie sind sehr wichtig und zeigen die Effizienz des Unternehmens und des Geschäftsmodells an
  • Nutze die Analyse der Cashflows/des Kapitalfluss um die Informationen aus der Gewinn- und Verlustrechnung zu prüfen und zu validieren (bspw. mit dem free cashflow)

Selb verständlich unterstützt Dich AnaGhuba auch als Tool bei der weiteren, genaueren Finanzanalyse.

Du möchtest nun selbst in die Analyse einsteigen? Dann melde Dich unverbindlich und kostenlos bei AnaGhuba an. Wir erweitern den Umfang der analysierbaren Unternehmen ständig und arbeiten auch an tollen neuen Funktionen. Damit vereinfachen wir die Analyse noch mehr.

Melde Dich jetzt kostenlos an zur AnaGhuba Anwendung.

 

Frank Schmolz on LinkedinFrank Schmolz on Youtube
Frank Schmolz
Initiator von AnaGhuba
Frank ist Initiator von AnaGhuba. Er hat viele Jahre Erfahrung in der Finanzanalyse und Anlage in Aktien und beschäftigt sich dabei meist mit kleineren und mittleren Unternehmen. Mit AnaGhuba möchte er ein Angebot schaffen, dass sich auf die fundamentale Finanzanalyse konzentriert und Informationen und Kennzahlen möglichst einfach zur Verfügung stellt. Er ist als IT-Berater seit vielen Jahren in Banken tätig und verfügt über eine lange Erfahrung in der Entwicklung komplexer IT-Applikationen.
Frank betreut auf der social-trading Plattform wikifolio drei investierbare wikifolios: ESCON Value & Special Situations: https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfvalss001; ESCON Global Dividends:
https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfglobdiv1; Diversifikation global: https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfvermoego

1 thought on “Schnell und treffsicher: tool-gestützte fundamentale Analyse mit AnaGhuba

Schreibe einen Kommentar

This is a demo store for testing purposes — no orders shall be fulfilled. Verstanden