Umsatz, EBITDA, EBIT, Gewinn – Analyse der Erfolgsrechnung

Hinweis: Die gekennzeichneten Größen/Kennzahlen sind in AnaGhuba unter diesem Namen zu finden und können verwendet werden.

Das Wichtigste in Kürze

Für die Fundamentalanalyse ist die Gewinn- und Verlustrechnung oft der Startpunkt. Vier wichtige Beträge kennzeichnen diesen Bereich. In diesem Beitrag gehen wir auf Berechnung und Bedeutung dieser vier Größen ein:
  • Umsatz: die Summe der Erlöse eines Unternehmens in der Berichtsperiode (Kosten gehen hier nicht ein)
  • EBITDA: das operative Ergebnis eines Unternehmens ohne Berücksichtigung von Investitionen
  • EBIT: das operative Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen (Finanzierungskosten, Finanzerträgen) und Steuern
  • Gewinn: auch als Überschuss (respektive Verlust oder Fehlbetrag) oder Ergebnis nach Steuern bezeichnet, stellt das tatsächliche Ergebnis nach Abzug aller Kosten, Zinsen und Steuern dar

Zu beachten außerdem: Das sonstige Ergebnis, in dem Erträge und Aufwände erfasst werden, die nach IFRS nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung gezeigt werden dürfen bzw. müssen.

Analyse der Erfolgsrechnung eines Unternehmens

Wenn es um die Unternehmensanalyse von Aktiengesellschaften geht denkt man in der Regel zuerst an den wirtschaftlichen Erfolg. Der wird im Allgemeinen am häufigsten am Gewinn und Verlust bzw. am Gewinn/Aktie festgemacht. Bei Wachstumsunternehmen also oft jungen Unternehmen wird – mangels Gewinn – auch öfters auf den Umsatz bzw. das Umsatzwachstum abgestellt. In diesem Artikel zeigen wir, welche wichtigen Größen es bei der Erfolgsrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung – GuV) gibt und wie diese mit AnaGhuba analysiert werden können. Dabei spielen neben Umsatz und Gewinn noch andere Zwischenergebnisse der GuV eine Rolle. Diese Größen ermöglichen eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen auf möglichst gleichen Kosten- und Erlösebenen.

Die 4 wichtigen Ergebnisgrößen in der Gewinn- und Verlustrechnung

  • Umsatz
  • EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände)
  • EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern)
  • Netto-Gewinn (Gewinn)
    • Jahresüberschuss,
    • Konzerngewinn,
    • Ergebnis nach Steuern
In AnaGhuba betrachten wir Konzernabschlüsse nach IFRS. Dafür werden die Ergebnisse (GuV) und Finanzpositionen (Bilanz) des Unternehmens sowie aller Tochterunternehmen in einem einzigen Abschluss zusammen gefasst (konsolidiert). Konzerninterne Umsätze (also Umsätze zwischen den Konzerngesellschaften) werden in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung eliminiert. Der Konzernabschluss zeigt das wirtschaftliche Ergebnis und die Finanzpositionen der zu einem Konzern gehörenden Unternehmen als würde es sich um ein einziges Unternehmen handeln. Nur so kann die Gesamtsituation eines Konzern wirtschaftlich korrekt eingeschätzt werden.
Die Ergebnisgrößen werden wir folgt berechnet. Dabei gehen wir vom Gewinn aus und rechnen „zurück“:

Gewinn- oder Verlust (Periodenergebnis)

+ Ertragsteuern

= Ergebnis vor Steuern (EBT)

+ Zinsen und ähnlicher Aufwand/-Zinsen und ähnliche Erträge

= Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT)

+ Wertminderungen und Abschreibungen auf immaterielle Anlagen und Sachanlagen (- Zuschreibungen, Wertaufholung)

= Ergebnis vor Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA)

– sonstige betriebliche Erträge

+ sonstige betriebliche Aufwände

+ allgemeine Verwaltungskosten

+ Vertriebskosten

+ Herstellungskosten

= Umsatz

Umsatz

Der Umsatz gibt die Höhe der erzielten Verkaufserlöse bzw. ähnlichen Erlöse an, die ein Unternehmen in der entsprechenden Berichtsperiode erzielt hat. Die IAS (International Accounting Standards) sprechen in diesem Zusammenhang von Erträgen und definieren sie wie folgt:
Ertrag: der aus der gewöhnlichen Tätigkeit eines Unternehmens (wie dem Verkauf von Gütern, dem Verkauf von Dienstleistungen, Zinsen, Nutzungsentgelte, Dividenden) resultierende Bruttozufluss wirtschaftlichen Nutzens (Zahlungsmittel, Forderungen, sonstige Vermögenswerte) [IAS 18.7].
Seit kurzem gelten die neuen Standards des IFRS 15 um die bisherige Definition der Erträge nach IFRS zu vereinheitlichen. Dennoch spielen eine ganze Reihe weiterer Regelungen für Spezialfälle eine Rolle, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll (wie z.B. Versicherungsverträge, Finanzinstrumente, Leasingverträge usw.). Die Standards können z.B. hier nachgelesen werden. Für viele Unternehmen ist das relativ leicht nachvollziehbar (klassische Produzenten von Waren und Dienstleistungsanbieter). Es gibt aber auch andere Industrien, bei denen spezielle Regelungen zur Ermittlung des Umsatz gelten. Dazu gehören u.a.
  • Banken und Versicherungen (IAS 17 – Leasingverhältnisse, IFRS 9 – Finanzinstrumente, IFRS 4 – Versicherungsverträge)
  • Immobilienunternehmen (REITs)
Der Umsatz gibt an, welche Mittel einem Unternehmen zufließen. Somit stellt der Umsatz aber (noch) keinen wirtschaftlichen Erfolg dar. Die zur Erzielung des Umsatzes angefallenen Kosten und Aufwände müssen noch berücksichtigt werden.

EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände)

Das EBITDA gibt das Rohergebnis eines Unternehmens an. Es enthält den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Das EBITDA soll insofern eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen erleichtern. Dazu werden individuelle Faktoren (Zinsen, Steuern) und vom Unternehmen steuerbare Faktoren (Abschreibungen, insbesondere auf immaterielle Vermögensgegenstände wie Patente und Unternehmenswerte) aus dem Gewinn/Ergebnis heraus gerechnet. Das sorgt für eine möglichst objektive Darstellung der tatsächlichen operativen Wirtschaftsleistung. Durch das Außenvorlassen der Abschreibungen sollen Effekte aus unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften (z.B. US-GAAP, IFRS, HGB) z,B. für Abschreibungen aus dem Ergebnis eliminiert werden. Somit wird die Vergleichbarkeit mit anderen internationalen Unternehmen erleichtert.
Allerdings werden beim EBITDA sehr viele wirtschaftliche Faktoren aus dem Ergebnis heraus gerechnet. Damit kann die Größe nur sehr begrenzt für die Einschätzung des wirtschaftlichen Erfolges verwendet werden. So müssen z.B. bestimmte Investitionen vorgenommen werden, um den Geschäftsbetrieb auch in Zukunft zu gewährleisten. Diese Investitionen sind im EBITDA nicht enthalten, obwohl sie notwendig sind um das Geschäftsmodell und die Ertragskraft eines Unternehmens langfristig zu erhalten. Insofern ist fraglich ob man ein Geschäftsmodell beurteilen kann, wenn man notwendige Erhaltungs- und Ersatzinvestitionen nicht berücksichtigt.
Das EBITDA ermöglicht also hauptsächlich den Vergleich zwischen verschiedenen Unternehmen. Die Kennzahl eignet sich auch zum Vergleich von schnell wachsenden Unternehmen, da diese oft hohe Wertminderungen auf Anlagen aufweisen. Als Kennzahl für den wirtschaftlichen Erfolg einen Unternehmens ist sie aufgrund der fehlenden Abschreibungen, Finanzierungskosten und Steuern aber nur sehr bedingt geeignet.

EBIT – operatives Ergebnis

Das operative Ergebnis (EBIT – Earnings Before Interest and Taxes) ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Genau genommen verbirgt sich in der Praxis hinter dem mit Zinsen bezeichneten Teil oft das gesamte Netto-Finanzergebnis. Es werden also sowohl Zinsen und ähnliche Aufwände also auch entsprechende Einnahmen vom Netto-Ergebnis abgezogen. Um das EBIT im engen Sinne zu berechnen, sollten nur die Zinsen auf Fremdkapital vom Jahresgewinn abgezogen werden. Häufig findet man diese Angaben aber nicht in der offiziellen GuV der Unternehmen, sondern nur im Anhang zum Konzernbericht. Neben den eigentlichen Zinsen sind im angegebenen EBIT also auch regelmäßig Einnahmen aus Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Finanzanlagen enthalten.
Das EBIT ist eine häufig verwendete Ergebnisgröße. Durch das Herausrechnen der Ertragssteuern kann ein objektiveres Bild des operativen Geschäftes des Unternehmens gezeichnet werden. Die Steuern können durch politische (z.B. Steuerrecht des Sitzlandes des Unternehmens) oder durch andere Faktoren beeinflusst sein. So können beispielsweise Verlustvorträge zu geringerer bzw. keiner Steuerzahlung führen. Zudem kann es auch zu Steuererstattungen kommen. In den allermeisten dieser Fälle hat die Höhe der Steuerzahlung bzw. -erstattung nur wenig mit dem operativen Geschäft zu tun.
Ein zweiter Faktor, der beim EBIT ausgeblendet wird sind die Finanzierungskosten in Form der zu zahlenden Zinsen (und oft weiterer Bestandteile). Die Motivation dafür ist, das operative Geschäftsergebnis von den Zinszahlungen auf das Fremdkapital zu trennen. Die Finanzierung eines Unternehmens ist relativ unabhängig vom eigentlichen Geschäft – so könnte z.B. durch Einzahlung von Eigenkapital die Verschuldung zurück geführt werden und die zu zahlenden Zinsen deutlich gesenkt werden. Bei gleichem operativen Ergebnis würde der Gewinn somit höher ausfallen, ohne dass sich jedoch am operativen Geschäft und seiner Profitabilität etwas geändert hat. Daher werden die Finanzierungskosten bei der Betrachtung des operativen Ergebnisses außen vor gelassen.
Für das operative Ergebnis kann das EBIT noch um Einmal- und Sondereffekte (z.B. aus Restrukturierungen, Strafzahlung und ähnlichem) bereinigt werden. Dadurch erhält man die tatsächliche operative Ertragskraft eines Unternehmens. Dies erfordert aber ein genaues Studium der Unternehmensabschlüsse. Zudem muss man die Einordnung als Einmal- bzw. Sondereffekt durch das Management selbst kritisch hinterfragen. Es gibt Unternehmen, die in jedem Abschluss relative große Korrekturen am EBIT bzw. anderen Größen vornehmen. Damit ist allerdings der Einflussnahme des Managements auf die Wahrnehmung des Unternehmenserfolges kaum eine Grenze gesetzt.
Im Gegensatz zum EBITDA ist das EBIT tatsächlich eine Größe, die den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens gut beschreibt. Lediglich Finanzierungskosten (Zinsen) und Ertragsteuern werden hier vom Gewinn herausgerechnet. Das EBT (Earnings Before Tax) stellt eine weitere Zwischengröße dar, wird aber relativ selten verwendet. Hier werden lediglich die Ertragssteuern vom Gewinn abgezogen.

Gewinn – Jahresergebnis, Periodenergebnis, Jahresüberschuss, Periodenüberschuss, Fehlbetrag, Ergebnis nach Steuern

Die wohl am häufigsten genannte und beachtete Kennzahl stellt der Gewinn dar. Er gibt an, welchen Gewinn ein Unternehmen (hier: Konzern) für die Berichtsperiode nach Steuern erzielt hat. Wenn nötig wird noch unterschieden zwischen Gewinn der den Anteilseignern zuzurechnen ist und den Anteilen Dritter am Gewinn. Für die Berechnung des Gewinns je Aktie wird nur der den Anteilseignern zuzurechnende Gewinn berücksichtigt.
Der Gewinn gibt den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens in der Berichtsperiode an. Durch die Berücksichtigung von Steuern, Finanzierungskosten und Abschreibungen (die teilweise vom Unternehmen steuerbar sind) kann der Gewinn beeinflusst werden. Um ein genaueres Bild zu erhalten, sollte auch die Kapitalflussrechnung und die Bilanz des Unternehmens analysiert werden.
Oft vernachlässigt: Comprehensive Income – Gesamtergebnisrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung + Sonstiges Ergebnis)!
Nach IFRS wird im Comprehensive income – der Gesamtergebnisrechnung – zwischen Gewinn- und Verlustrechnung sowie dem other comprehensive income – dem sonstigen Ergebnis unterschieden. Die meisten Analysen – auch am Kapitalmarkt – betrachten hauptsächlich den Gewinn aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Allerdings zeigen Untersuchungen, dass signifikante Bestandteile des wirtschaftlichen Erfolges eines Unternehmens im sonstigen Ergebnis abgebildet sein können.
IAS 1 führt einige Beispiele an, die im sonstigen Ergebnis gezeigt werden:

(a) Veränderungen der Neubewertungsrücklage (IAS 16 – Sachanlagen und IAS 38 Immaterielle Vermögenswerte);

(b) Neubewertungen von leistungsorientierten Versorgungsplänen (IAS 19 – Leistungen an Arbeitnehmer);

(c) Gewinne und Verluste aus der Umrechnung des Abschlusses eines ausländischen Geschäftsbetriebs (IAS 21 – Auswirkungen von Wechselkursänderungen);

(d) Gewinne und Verluste aus der Neubewertung von zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögenswerten (IAS 39 – Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung);

(e) der effektive Teil der Gewinne und Verluste aus Sicherungsinstrumenten bei einer Absicherung von Zahlungsströmen (IAS 39).

Basierend auf dem Gewinn können verschiedene Kennzahlen errechnet werden, die auch in AnaGhuba zur Verfügung stehen. Zusätzlich zum Gewinn wird auch der Gewinn je Aktie im Abschluss des Unternehmens ausgewiesen.
Margen
EBITDA Marge
Operative Marge (EBIT Marge)
Gewinnmarge
Renditen
Eigenkapitalrendite
Gesamtkapitalrendite
Bewertung
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Frank Schmolz on LinkedinFrank Schmolz on Youtube
Frank Schmolz
Initiator von AnaGhuba
Frank ist Initiator von AnaGhuba. Er hat viele Jahre Erfahrung in der Finanzanalyse und Anlage in Aktien und beschäftigt sich dabei meist mit kleineren und mittleren Unternehmen. Mit AnaGhuba möchte er ein Angebot schaffen, dass sich auf die fundamentale Finanzanalyse konzentriert und Informationen und Kennzahlen möglichst einfach zur Verfügung stellt. Er ist als IT-Berater seit vielen Jahren in Banken tätig und verfügt über eine lange Erfahrung in der Entwicklung komplexer IT-Applikationen.
Frank betreut auf der social-trading Plattform wikifolio drei investierbare wikifolios: ESCON Value & Special Situations: https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfvalss001; ESCON Global Dividends:
https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfglobdiv1; Diversifikation global: https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfvermoego

Schreibe einen Kommentar